Samstag, August 26, 2006

Die Meisterschaft ist beendet

Mit zwei Stunden Verspätung und nach anderthalb Stunden Siegereehrung und Preisverleihung ist die 4. Europameisterschaft der Motorschirmflieger beendet.
Übringens: die Paella hat gereicht, für alle....

Das deutsche Team


Unser deutsches Team: (von links) Jens Hicken, Richard Küger-Sprengel und Armin Appel

Vorbereitungen...


Die Vorbereitungen laufen für die Siegesfeier. Zunächst wurden die Einzelteile von zehn Kaninchen und 10 Hähnchen angeschmort. Dann war erst mal wieder Pause. 12 Kilo Reis stehen schon bereit. Obwohl es eine so große Pfanne ist, die mit drei verschiedenen Gasbrennern angeheizt wird, bezweifle ich, dass alle satt werden. Aber das Plakat versprach: "Paella für alle"

Zum ersten Mal Meisterschafts-Rekorde

Um Meisterschaften auf kontinentaler und internationaler Ebene attraktiver zu machen, wurde im vergangenen Jahr die Möglichkeit geschaffen, Rekorde zu fliegen. Dazu eignen sich ein paar Aufgaben. Zwei wurden auch in Chozas de Abajo geflogen: Japanese Slalom und Streckenflug mit begrenzter Benzinmenge (1,5 kg). Also konnten auch sechs „Championship Records“ verkündet werden. Damit sind die Marken für die nächste Meisterschaft gesetzt. Dave Hairs (GBR) flog mit dem Motorschirm 110,161 km und Frantisek Slava schaffte mit seinem Motorschirmtrike 42,218 km. Der einzige doppelsitzige Motorschirm kam mit 2 kg Benzin 24.837 km weit.

Beim japanischen Slalom schaffte Ramon Morillas die vorgeschriebene Umrundung der vier Sticks in 0:57,81 Wenn man bedenkt, dass der langsamste 2:22,02 brauchte. Auch die Motorschirmtrikes waren schnell. Der Rekord geht an Frantisek Salava (Tschechien) mit 1:01,97. Hier braucht der langsamste zwei Minuten.

Der einzige teilnehmende doppelsitzige Motorschirm (Pilot Michel Touitou) flog die Stecke in 1:22,50.

4. European Microlight Championship 2006, New Classes, Chozas de Abajao, Leon, Spanien



Hier sind die Endergebnisse der Motorschirmmeisterschaften:

Motorschirm
(34 Teilnehmer)

1. Mathieu Rouanet FRA 6.427 P.

2. Pavel Brezina CZE 6.423 P.

3. Ramon Morillas ESP 6.361 P.

22. Armin Appel DEU 4.173 P.

Teamwertung

1. Frankreich 18.224 P.

2. Tschechien 18.128 P.

3. Großbritannien 17.468 P.

4. Spanien 17.454 P.

5. Polen 13.668 P.

6. Kanada 4.406 P.

7. Russland 4.209 P.

8. Deutschland 4.173 P.

9. Belgien 2.134 P.

10. Ungarn 692 P.

Motorschirmtrike (13 Teilehmer)

1. Frantisek Slavia CZE 7.089 P.

2. Michaela Machartova CZE 6.655 P.

3. Michal Krivanek CZE 6.178 P.

7. Richard Krüger-Sprengel DEU 4.807 P.

13. Jens Hicken DEU 1.295 P.

Teamwertung

1. Tschechien 20.187 P.

2. Spanien 11.001 P.

3. Deutschland 6.066 P.

4. Frankreich 5.753 P.

6. Russland 5.632 P.

Freitag, August 25, 2006

Diskussionen...

Das vorläufige Ergebnis wird wohl das endgültige Ergebnis werden, denn der Wind hat im Laufe des Tages nicht nachgelassen und weht unvermindert böig durch das Camp. Was machen Piloten in einer solchen Situation? Sie entspannen oder sie debattieren. Eine gute Gelegenheit, die besten Piloten Europas zu einer Diskussion darüber einzuladen, wie es weiter gehen kann mit der Entwicklung von Wettbewerben. Welche Aufgaben sind gut, welche gefährlich? Muss die Gewichtung verschoben werden? Was muss in den allgemeinen Regeln verändert werden?
Natürlich lief die Diskussion auch ein wenig nach dem Motto: "Der eine sagt so, der andere sagt so." Letztlich wird es davon abhängen, was die Teams über ihre Delegierten an ganz konkreten Vorschlägen einbringen werden. Viel Zeit bleibt nicht, denn die die Antragsfrist läuft bereits in drei Wochen ab.
So ein Tag ohne Aufgaben bringt wenig Arbeit für die Jury mit sich. Nachdem wir den bislang einzigen Protest entschieden haben (zugunsten des Piloten), haben wir zum Mittagessen einen kleinen Ausflug gemacht. Wir waren in einem Restaurant, dass ganz im Stil einer Bodega gebaut wurde. Sehr eindrucksvoll. Der Wein war gut, das Essen auch, die Preise dafür etwas höher. Das Restaurant war nicht auf Touristen eingerichtet. Niemand sprach auch nur ein Word englich. Aber es ging auch so.

Zu viel Wind?


Heute, am letzten Wettbewerbstag, sollen eigentlich noch drei Aufgaben geflogen werden: Clover Leaf Slalom, dann so etwas wie das Big M für die Classic Classes und anschließend noch eine Ziellandung. Aber es war überraschend windig, als die Sonne aufging. Weil die Zeit knapp wird, hat Jose Luis den Slalom gestrichen und den Start auf später verschoben.


Inzwischen liegen die Ergebnisse für die Aufgabe 10 vor. Bei den Trikes hat Richard knapp 22 Kilometer geschafft (Platz 7) und Jens 11 Kilometer (Platz 12). Am erfolgreichsten waren die Tschechen. Sie belegten die ersten vier Plätze. Weiteste Strecke: 42,218 km.

Bei den Fußstartern schaffte Armin mit 37 km den 26. Platz. Der Beste in dieser Klasse ist Dave Harris aus Großbritannien mit 110,161 Kilometern!!!!!!!

Nach derm Zwischenergebnis liegen Richard auf Platz 6, Armin auf Platz 22 und Jens in seiner Klasse auf Platz 13. Trotzdem könnte in der Teamwertung bei den Trikes noch eine Bronzemedaille herauskommen. Aber noch ist der Wettbewerb ja noch nicht zu Ende.

Trauerfeier für Carlos Cotoruelo


Gestern war kein einfacher Tag. Bereits am späten Nachmittag sollte die Trauerfeier stattfinden. Die meisten Piloten fuhren nach Valladolid, um ihrem Kollegen die letzte Ehre zu erweisen. Schätzungsweise 250 Menschen waren gekommen. Der verunglückte Pilot arbeitete für die lokale Polizei, die auch eine Abordnung geschickt hatte. Eine merkwürdige Situation. Einerseits eine sehr formale Zeremonie. Man hatte nicht das Gefühl, dass der Priester viel zur Person sagte. Andererseits waren die Anwesenden sehr betroffen. Nach der Trauerfeier versammelten sich alle vor der Kapelle und kondolierten den Angehörigen. Inzwischen gibt es auch ein offizielles Statement zu dem Unfall.

Donnerstag, August 24, 2006

Lust auf mehr Bilder?

Manchmal ist es etwas mühsam, in diesem Blog auch Bilder unterzubringen. Die gibt es auf der offizellen Webseite. Dort hat Miguel jede Menge Fotos untergebracht.

Trauer im Camp...

Im Camp herrschen Trauer und Betroffenheit über den Tod des jungen Spaniers. Nicht nur die Flagge im spanischen Camp ist auf halbmast gesetzt.
Nach einer Besprechung mit dem spanischen Team hat der Wettbewerbsdirektor Jose Luis Esteban entschieden, dass heute, Donnerstag, ein freier Tag ist und am Freitag weiter Aufgaben geflogen werden. Die Teamleader aller anderen Nationen haben dem zugestimmt.
Es gab schon zweimal einen tödlichen Unfall bei einer UL-Meisterschaft. Ende der achtziger Jahre verunglückte ein deutscher Pilot bei einem Flug in Frankreich. In den neunziger Jahren stürzte der englische Pilot John Holloway bei einem Thermikflug ab. Auch damals wurde die Meisterschaft nach einem Tag der Besinnung fortgesetzt.

Mittwoch, August 23, 2006

Tödlicher Zwischenfall in Chozas de Abajo

Keine gute Nachricht: Der spanische Motorschirmpilot Carlos Cotoruelo ist tödlich verunglückt. Nach allem, was bisher bekannt ist, hatte er die Wettbewerbsaufgabe bereits abgeschlossen. In der Zwischenzeit hat der Wind deutlich zugenommen. Der spanische Pilot hatte sein Motorschirmtrike wieder betankt und befand sich auf dem Rückflug. Ein Zeuge hat gesehen, wie seine Fläche zusammenklappte und er aus geringer Höhe zu Boden stürzte. Offenbar war er sofort tot. Die Nachricht hat alle sehr, sehr betroffen gemacht. Richard und Armin hatten sich bereits gemeldet. Higgi ist sicherlich mit dem Rad unterwegs. Die beiden anderen wollten am Boden bleiben und warten, wie sich der Wind entwickelt. Bedrückte Stimmung hier.

Wendepunkt-Suche als sightseeing


Heute Morgen gab es eine Beschwerde wegen eines Wendepunktes, der nicht ganz genau so im System der Auswertung verzeichnet sein sollte, wie in der Karte. Nach dem Motto: "Ich bin genau darüber geflogen, aber ihr habt mir den Wendepunkt nicht angerechnet." Also bedeutete das: GPS bereit machen und hinfahren. Es war ein kleiner Ort ganz in der Nähe und der Wedepunkt war diese alte Kirche.



Sie stammt aus dem 16. Jahrundert und hat einen schönen Altar und eine kitschige Decke. Zufällig war der Küster anwesend und erklärte zwei älteren Mänern aus Lörrach die Architektur. Sie konnten dann ein wenig übersetzen.



Hier wie auch sonst sehr oft kann man Wanderer sehen. Sie haben oft einen langen Stock dabei . Oben ist meistens eine Muschel befestigt. Sie sind auf dem Weg nach Santiago de Compostella. Sie marschieren nicht nur aus religiösen Gründen. Viele nutzen einfach die vorhandene Infrastruktur.

Es gibt preiswerte Unterkünfte und einfache Restaurants. Oder besser: Kneipen mit einem Tappas-Angebot. Viele nutzen die Hauptstraße, aber manche gehen eben auch die Strecke von mehr als 300 Kilometern ("Camino de Santiago") über die Dörfer.


Im Camp herrscht immer noch Ruhe. Jens Hicken hat nach drei Stunden endlich den grund für seine Außenlandung gefunden: ein Zündkabel war defekt. Jetzt macht er sich gleich frohen Mutes auf die Strecke. Sehr weit wird er nicht kommen, denn der Motor braucht fast die gesamte Benzinmenge für den Start. Ich werde Benzin in mein Auto laden und die Jungs an ihren Außenlandeplätzen nachtanken.

Nach einem harten Tag....

Manchmal ist es auch für die Jury ein harter Tag. Immer in der Hitze, schwierige Debatten zu führen, Proteste abzuwiegeln..... Kein Wunder, wenn dann bei dem späten Abendessen die Konzentration nachlässt, weil der Kellner mit der Rechnung auf sich warten lässt ;-).
Nein, natürlich nicht wirklich, aber es ist eben schon ein langer Tag.
Am Dienstag sollte eigentlich der Versuch unternommen werden, im Rahmen der Meisterschaft einen Rekord zu fliegen: mit einer begrenzten Menge Benzin eine so große Strecke wie möglich zurückzulegen. Aber leider passten Wind und die von der Flugsicherung freigegebene Richtung nicht zusammen. Deshalb wurde eine Jagd nach Wendepunkten in begrenzter Zeit angesetzt.

Juhuu: Richard Krüger-Sprengel hat sich bei dieser Aufgabe einen Tagessieg geholt = 1000 Punkte. Das hat ihn in der vorläufigen Gesamtwertung auf Platz 7 gebracht. Jens Hicken hat bei den fünf letzten Aufgaben leider nicht punkten können und Armin Apel ist auf Platz 21 von 34.
Heute gibt es einen neuen Versuch, eine den Streckenflug mit einer begrenzten Menge Sprit zu absolveren. Die Motorschirme bekommen wie die Paratrikes 1,5 kg Benzin. Nicht wirklich viel.

Im Laufe des Tages tauchten zwei Piloten auf, die einen motorisierten modernen Hängegleiter aufbauten: "Swift". Obwohl der Motor gerade mal etwas über 20 PS hat, war der flieger trotz großer Hitze schnell in der Luft. Aber ich möchte nicht darin sitzen, denn es sieht sehr, sehr eng aus.



Gestern Nacht hat offenbar in der Halle eine Band gespielt. Deshalb ist es immer noch verhältnismäßig ruhig. Zeit, um die bisherigen Wettbewerbsergebnisse zu sortieren und andere administrative Dinge zu erledigen.

Dienstag, August 22, 2006

Wie Spanien hier so aussieht



In dieser Gegend wächst der Wein ganz ungewohnt. Die meisten Weinstöcke wachsen flach auf dem Boden. Nur an ganz wenigen Stellen wird der Wein schon an Rebstöcken hochgebunden. Außerdem sieht man an überall an den Abhängen kleine Erdhügel, aus denen oben ein kleiner Schornstein heraus ragt - die Entlüftung des Weinkellers. Bei meiner Tour zu einem der Haupt-Wendepunkte des Wettbewerbs habe ich an einer solchen 'Bodega' gehalten Dort bereitete sich gerade ein älterer Mann das Abendessen zu. Ich durfte mir seinen Weinkeller ansehen. Es stellte sich heraus, dass der Freizeitwinzer vor vielen Jahren in Deutschland als Autoschlosser gearbeitet hatte, erst in Wetzlar, dann in Hagen-Haspe. Jetzt hat er noch zwei große Fässer in seinem Keller. Ein leicht durchsichtiger etwas dünner, aber sauber schmeckender Wein. In den Kellern ist es angenehm kühl. Teile der Gänge sind schon eingebrochen, aber es ist doch weitläufiger, als ich dachte.
Merkwürdig auch die Kirchen. Sie sind offenbar sehr alt und haben im Grunde höchstens ein winziges Fenster. Meistens gibt es auf den Kirchtürmen ein Storchennest.

Die kleinen Dörfer wirken wie ausgestorben. Kein Mensch unterwegs. Erst am Abend kommen die alten Frauen vor die Tür, stellen sich einen Stuhl auf die Straße und warten darauf, dass etwas passiert.
Spanien ist schon ein anderes Land.

Bericht von der 9th EMC New Classes in Chozas de Abajo/Spanien



Hier sitze ich nun in der heißen spanischen Sonne und halte Siesta. Es ist früher Nachmittag und im Fliegerlager bei der 9. UL-Europameisterschaft für die Motorschirme herrscht Mittagsruhe. Die 50 besten Piloten aus Europa (einschließlich eines Gastpiloten aus Kanada) haben sich hier eingefunden, um die neuen Europameister zu ermitteln. Die Bedingungen sind bestens. Nach reichlich Regen an den Tagen vor der Meisterschaft ist nun Hochdruck dominierend. Die Temperaturen sinken Nachts auf angenehme 13 - 14 Grad und steigen am Tage inzwischen auf kuschelige 29 bis 30 Grad. Trotz der Hitze nur wenig Thermik und keine Wolken am Himmel.
Und warum bin ich als Trike-Flieger hier? Ich wurde für die Internationale Jury nominiert, die Im Auftrag der Weltluftsportorganisation FAI (www.fai.org) die Oberaufsicht bei solchen Veranstaltungen hat.

Versuch macht klug

Scheint doch nícht so einfach zu sein. Bis jetzt sehe ich noch nichts.....

Wolles Flieger-Blog


Das soll erst mal der Versuch sein, mit einem Blog zu arbeiten. Statt Bücher zu schreiben und sich so der Nachwelt in Erinnerung zu halten, kann man es ja auch modern versuchen. Also los gehts